Glossar — Anlageimmobilien A–Z
Buchstaben-Index
A
- A-Lage
Innenstadt-, Premium- und etablierte Wohnviertel deutscher Großstädte mit hoher Nachfrage und stabilen Mieten.
A-Lagen liefern niedrigere Mietrenditen (typisch 3,1–4,0 % brutto), dafür höchste Wertstabilität. München, Hamburg, Berlin und Frankfurt gelten als A-Städte; innerhalb dieser Städte gibt es A-/B-/C-Lagen je nach Stadtteil.
- AfA (Absetzung für Abnutzung)
Jährliche steuerliche Abschreibung des Gebäudewerts — 2 % bei Bauten 1925–2022, 3 % bei Neubauten ab 2023.
AfA ist die wichtigste Steuergestaltung für vermietete Immobilien. Sie wird jährlich vom Gebäudewert abgeschrieben (nicht vom Grundstück) und mindert die zu versteuernden Mieteinnahmen. Bei einem Gebäudewert von 260.000 € und 2 % AfA spart ein Investor mit 42 % Grenzsteuersatz 2.184 € pro Jahr.
- Anschaffungsnahe Herstellungskosten
Renovierungskosten in den ersten 3 Jahren über 15 % des Gebäudewerts müssen über die AfA abgeschrieben statt sofort abgesetzt werden.
Diese Steuerfalle (§ 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG) trifft viele Sanierungskäufer. Wer ein Bestandsobjekt unter Markt erwirbt und renoviert, muss die 15-%-Grenze einhalten — sonst wird der Sofortabzug zur 50-Jahres-Abschreibung.
B
- B-Lage
Mittelgroße Städte oder Außenbezirke der A-Städte mit moderateren Mieten und besseren Renditen.
B-Lagen wie Düsseldorf, Stuttgart, Köln oder die Außenbezirke Münchens bieten typisch Faktoren 22–28 und Bruttomietrenditen von 3,6–4,5 %. Sweet-Spot für viele Privatinvestoren.
- Bewirtschaftungskosten
Hausgeld, Instandhaltung, Verwalter, Mietausfall — typisch 15–25 % der Jahresmiete.
Bewirtschaftungskosten reduzieren die Mieteinnahmen und damit die Nettomietrendite. Übliche Aufteilung: 25 % Hausgeld, 30 % Instandhaltung, 20 % Verwalter, 15 % Mietausfall, 10 % Sonstiges.
- Bierdeckelrechnung
Schnelle 30-Sekunden-Erstprüfung mit drei Eingaben: Kaufpreis, Monatsmiete, Bundesland.
Die Bierdeckelrechnung filtert offensichtlich uninteressante Objekte aus. Wenn Bruttomietrendite und Nettomietrendite hier schon nicht passen, lohnt sich kein zweiter Blick. Die Zinshaus App nennt diese erste Stufe Bierdeckel.
- Bodenrichtwert
Durchschnittlicher Lagewert eines Grundstücks pro m² — vom Gutachterausschuss veröffentlicht.
Bodenrichtwerte werden von den BORIS-Portalen der Bundesländer bereitgestellt und sind die Basis für das Sachwertverfahren. Bei Mehrfamilienhäusern macht der Bodenwert oft 30–50 % des Sachwerts aus.
- Bruttomietrendite
Jahresnettomiete ÷ Kaufpreis × 100 — die schnellste Renditegröße.
Die Bruttomietrendite ignoriert Kaufnebenkosten und Bewirtschaftung — sie ist eine Daumengröße, kein vollständiges Investmentkriterium. Trotzdem die meistgenannte Zahl in Maklerexposés.
C
- C-Lage
Strukturschwächere Regionen oder Randviertel mit höheren laufenden Renditen, aber geringerer Wertstabilität.
C-Lagen liefern oft 5,0–7,1 % Bruttomietrendite — die hohe Rendite kompensiert höheres Mietausfallrisiko, geringere Wertentwicklung und schwierigere Wiederverkaufbarkeit.
- Cap Rate
Englischer Begriff für Nettomietrendite: NOI ÷ Marktwert × 100. Internationaler Standard.
Capitalization Rate ist die international übliche Metrik für Investmentimmobilien. In Deutschland weniger verbreitet, aber bei institutionellen Käufern und in englischsprachiger Literatur Standard.
- Cashflow
Mieteinnahmen − Bewirtschaftung − Zins − Tilgung. Was am Monatsende übrig bleibt.
Positiver Cashflow heißt: Die Immobilie trägt sich selbst und produziert Überschuss. Negativer Cashflow heißt: Du zahlst monatlich drauf. Bei niedriger Tilgung typisch positiv, bei aggressiver Tilgung oft negativ — was nicht schlecht sein muss, weil Tilgung Vermögensaufbau ist.
D
- Degressive AfA
5 % vom Restbuchwert für Wohnneubauten mit Vertrag/Bauantrag zwischen 10/2023 und 09/2029.
Die degressive AfA wurde 2024 durch das Wachstumschancengesetz wieder eingeführt. Vorteil: deutlich höhere Abschreibungen in den ersten Jahren. Nachteil: Wechsel zur linearen AfA wird irgendwann unwirtschaftlich, weil der Restbuchwert sinkt.
- Denkmal-AfA
9 % p.a. über 8 Jahre + 7 % p.a. über 4 Jahre auf Sanierungskosten denkmalgeschützter Gebäude.
Die Denkmal-AfA gehört zu den attraktivsten Steuergestaltungen für Privatinvestoren. Voraussetzung: Sanierungsbescheinigung der Denkmalschutzbehörde vor Beginn der Arbeiten. Anwendung gemäß §§ 7h/7i EStG.
- DSCR (Debt Service Coverage Ratio)
NOI ÷ Kapitaldienst (Zins + Tilgung). Banken fordern üblich ≥ 1,2.
Die DSCR misst, ob der laufende Ertrag den Schuldendienst deckt. Bei DSCR < 1,0 zahlt das Investment monatlich drauf; bei DSCR ≥ 1,2 hat es Puffer für Mietausfall oder Zinsanstieg. Standardkennzahl bei Bankfinanzierungen.
E
- Eigenkapitalrendite
Cashflow nach Finanzierung ÷ eingesetztes Eigenkapital × 100. Die zentrale Kennzahl bei fremdfinanzierten Investments.
Die Eigenkapitalrendite zeigt den Hebel-Effekt: Bei 4 % Bruttomietrendite, 80 % Fremdkapital und 3,5 % Sollzins können Eigenkapitalrenditen von 8–12 % entstehen — vor Steuer.
- Erbbaurecht
Recht zur Bebauung eines fremden Grundstücks gegen Zahlung eines Erbbauzinses — typisch 99 Jahre.
Beim Erbbaurecht gehört das Grundstück nicht dem Eigentümer der Immobilie, sondern wird gemietet. Erbbauzins ist abzugsfähig, der Verkehrswert der Immobilie liegt typisch 20–40 % unter dem Verkehrswert mit Grundstück. Wichtig zu prüfen.
- Ertragswertverfahren
Marktwertbestimmung über Mieteinnahmen × Vervielfältiger. Standard für Renditeobjekte.
Das Ertragswertverfahren ist gesetzlich in der ImmoWertV geregelt und der vorherrschende Bewertungsansatz für Mehrfamilienhäuser. Vervielfältiger zwischen 14 und 32 abhängig von Lage und Zustand.
F
- Faktor (Vervielfältiger)
Kaufpreis ÷ Jahresnettomiete. Inverse Bruttomietrendite. Faktor 25 = 4 % Rendite.
Profi-Investoren sprechen häufiger über Faktoren als über Prozente. Faktor 18 ist ein gutes B-Lage-Investment, Faktor 30 eine A-Stadt-Premiumlage. Über 32 wird selbst in München sportlich.
G
- Grunderwerbsteuer (GrESt)
Steuer auf den Immobilienkauf — zwischen 3,5 % (Bayern) und 6,5 % (NRW, Saarland, Brandenburg, Schleswig-Holstein).
Die Grunderwerbsteuer wird vom Bundesland erhoben und mit Kaufvertragsabschluss fällig. Sie wird gemeinsam mit den anderen Kaufnebenkosten dem Gebäudewert zugeschlagen und über die AfA abgeschrieben.
H
- Hebel (Leverage)
Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital. Höherer Hebel = höhere Eigenkapitalrendite, aber höheres Risiko.
Bei 20 % Eigenkapital und 80 % Fremdkapital ist der Hebel 5:1. Steigt die Wertentwicklung um 1 %, wächst das Eigenkapital um ~5 % (vor Zinskosten). Funktioniert in beide Richtungen — daher höheres Risiko.
I
- IRR (Internal Rate of Return)
Interner Zinsfuß — die Rendite, bei der Kapitalwert (NPV) gleich null ist.
IRR ist die zeitgewichtete Gesamtrendite eines Investments inklusive aller Cashflows: Kauf, laufende Mieten, Verkauf. Internationaler Standard für Private-Equity- und Real-Estate-Investitionen.
K
- Kaufnebenkosten
Grunderwerbsteuer + Notar (~1,5 %) + Grundbuch (~0,5 %) + optional Makler (3,57 %). Typisch 8–13 % vom Kaufpreis.
Die Kaufnebenkosten reduzieren das verfügbare Eigenkapital deutlich. Wer 100.000 € EK hat und in NRW mit Makler kauft, hat nach Kaufnebenkosten nur noch ~85.000 € für die eigentliche Anzahlung.
L
- LTV (Loan-to-Value)
Darlehenshöhe ÷ Marktwert × 100. Bei 80 % LTV werden 20 % Eigenkapital verlangt.
Banken steuern Konditionen über den LTV. Bis 60 % LTV gibt es die besten Zinsen, ab 80 % wird es teurer, ab 90 % nur mit Bonitätsaufschlag. Niedriger LTV = stabileres Investment auch bei Werteinbrüchen.
M
- Mietpreisbremse
Maximale Wiedervermietungsmiete: ortsübliche Vergleichsmiete + 10 %. Gilt in ausgewiesenen Gebieten.
Die Mietpreisbremse begrenzt Mieten bei Neuvermietung in Städten mit angespanntem Wohnungsmarkt. Ausnahmen: Erstvermietung Neubau, umfassende Modernisierung. Verstöße können zur Mietminderung führen.
- Mietspiegel
Tabelle der ortsüblichen Vergleichsmieten — qualifiziert (gerichtsfest) oder einfach.
Mietspiegel werden alle 2 Jahre von Kommunen erstellt. Qualifizierte Mietspiegel sind nach wissenschaftlichen Methoden erstellt und gerichtsfest. Wichtig für Mieterhöhungen, Mietpreisbremse und Wertgutachten.
N
- Nettomietrendite
NOI ÷ Gesamtinvestition × 100. Die ehrlichere Renditegröße — typisch 1–1,5 Prozentpunkte unter brutto.
Die Nettomietrendite zieht Kaufnebenkosten und Bewirtschaftung von der Bruttogröße ab. Sie erlaubt fairen Vergleich zwischen Bundesländern (unterschiedliche GrESt) und Stadtteilen (unterschiedlicher Hausgeldaufwand).
- NOI (Net Operating Income)
Jahresnettomiete − Bewirtschaftungskosten. Standardkennzahl im professionellen Immobilieninvestment.
NOI ist die Mieteinnahme nach Bewirtschaftung, vor Finanzierung und Steuern. Internationaler Standard für die Bewertung von Renditeobjekten — Cap Rate = NOI ÷ Marktwert.
- NPV (Net Present Value)
Kapitalwert eines Investments — die abdiskontierten Cashflows minus Anfangsinvestition.
Bei NPV > 0 lohnt sich das Investment im Vergleich zu einer alternativen Anlage mit dem gewählten Diskontsatz. NPV und IRR sind komplementäre Größen — IRR sagt: wie viel Prozent, NPV sagt: wie viele Euro Mehrwert.
S
- Sachwertverfahren
Marktwert = Bodenrichtwert × Fläche + Gebäudeherstellungswert (abzgl. Alterswertminderung).
Das Sachwertverfahren ist die Kosten-orientierte Bewertung — was würde es kosten, das Gebäude heute neu zu bauen? Bei reinen Renditeobjekten weniger relevant als das Ertragswertverfahren, aber als Plausibilitätscheck sinnvoll.
- Sonder-AfA Mietwohnungsneubau (§ 7b EStG)
5 % zusätzlich zur linearen AfA über vier Jahre — für förderfähige Mietwohnungsneubauten unter Baukostenobergrenze.
Die Sonder-AfA wurde mehrfach verlängert und gilt aktuell für Wohnungen mit Bauantrag bis Ende 2026. Maximale Bemessungsgrundlage: 4.000 €/m². Bedingung: Vermietung über mindestens zehn Jahre.
- Spekulationssteuer
Einkommensteuer auf Verkaufsgewinne bei Verkauf vor Ablauf von 10 Jahren (§ 23 EStG).
Umgangssprachlich Spekulationssteuer, offiziell Einkommensteuer auf private Veräußerungsgeschäfte. Bei vermieteten Immobilien fällt die geltend gemachte AfA wieder in den Gewinn — ein häufig übersehener Effekt.
T
- Tilgung
Anteil der monatlichen Rate, der das Darlehen reduziert. Bei vermieteten Immobilien typisch 1–3 %.
Höhere Tilgung = schnellere Entschuldung, niedrigerer Cashflow. Niedrigere Tilgung = höherer Cashflow, langsamere Entschuldung. Bei Niedrigzinsphasen lohnt höhere Tilgung; bei Hochzinsphasen niedrigere — abhängig vom persönlichen Steuersatz.
V
- Vorkaufsrecht (§ 24 BauGB)
Recht der Kommune, in Milieuschutzgebieten in einen Kaufvertrag einzutreten.
Berlin und einige andere Großstädte nutzen das Vorkaufsrecht aktiv, um Mietsteigerungen zu begrenzen. Praktische Folge: Verkaufsprozess kann sich um Wochen verzögern; Käuferbindung an Sozialcharta möglich.
Vertiefung
Auf dem Smartphone weitermachen
Du bist auf dem Desktop unterwegs — schick dir den Install-Link in 10 Sekunden auf dein Handy.
Begriffe verstanden — jetzt rechnen.
Glossar lesen ist Schritt 1. Schritt 2 ist die Anwendung der Begriffe auf konkrete Objektdaten — die Zinshaus App rechnet alle Größen aus diesem Glossar parallel und in Echtzeit.