Wie viel Eigenkapital für eine Immobilie?
Die 20-%-Regel — und ihre Grenzen
Die klassische Faustregel sagt: 20 % Eigenkapital auf den Kaufpreis plus die Kaufnebenkosten aus Eigenkapital. Das entspricht 80 % Beleihungsauslauf (LTV) — Banken belohnen das mit den besten Zinskonditionen.
Beispiel — Anlageimmobilie 350.000 €
Kaufnebenkosten (NRW, ohne Makler):
Grunderwerbsteuer 6,5 % · Notar 1,5 % · Grundbuch 0,5 % = 8,5 % = 29.750 €
20 % Anzahlung: 70.000 €
Gesamt-Eigenkapital: 99.750 €
Darlehen: 280.000 €
Beleihungsauslauf (LTV): 80 %
Die 20-%-Regel funktioniert in stabilen Märkten. In Boom-Phasen (München 2015–2022) war sie zu konservativ — Käufer mit weniger EK haben durch Wertentwicklung mehr verdient. In Korrektur-Phasen (2022–2024) hat sie geschützt: Wer mit 5 % EK gekauft hat und einen 10-%-Werteinbruch erlebte, stand mit negativem Eigenkapital da.
Vollfinanzierung — wann sinnvoll?
Bei einer 110-%-Finanzierung übernimmt die Bank Kaufpreis und Kaufnebenkosten. Konditionen sind typisch 0,5–1,5 Prozentpunkte teurer als bei 80 % LTV — auf 30 Jahre sind das fünf- bis sechsstellige Summen.
Sinnvoll wenn:
- Hohes laufendes Einkommen (≥ 5.000 € netto), aber wenig angespartes Kapital — das EK soll im Aktien-Sparplan bleiben.
- Die Immobilie cashflowt positiv aus eigener Kraft — auch bei höherem Zinssatz.
- Es gibt eine Anschlussfinanzierungs-Strategie (lange Zinsbindung, Forward-Darlehen, parallele Tilgung).
Nicht sinnvoll wenn:
- Cashflow negativ ist — der Hebel wirkt dann gegen den Investor.
- Berufliche Unsicherheit besteht (Selbstständigkeit, Probezeit).
- Persönlicher Steuersatz unter 30 % liegt — der AfA-Vorteil ist klein, das Hebel-Risiko überwiegt.
Was Banken als Eigenkapital akzeptieren
| Quelle | Akzeptanz | Voraussetzung |
|---|---|---|
| Spar- und Tagesgeldkonten | 100 % | 3-Monats-Auszüge |
| Bausparverträge | 100 % | Auszahlungsbestätigung |
| Wertpapierdepot (ETF, Aktien) | 60–80 % | Beleihungswert, nicht Marktwert |
| Lebensversicherung | Rückkaufswert | Versicherungsbestätigung |
| Schenkung Eltern | 100 % | Schenkungsvertrag, Herkunftsnachweis |
| Crypto-Werte | 0–50 % | Verkaufsnachweis (auf Konto sein) |
| Privatkredit Verwandte | 0 % | Zählt als Fremdkapital |
| Beleihungsspielraum andere Immobilie | 60 % vom Marktwert | Wertgutachten, freie Grundbucheintragung |
Eigenkapital-Pyramide für Aufbau
Ein häufiges Muster bei Immobilien-Investoren: Die erste Immobilie wird mit 20–30 % EK klassisch finanziert. Nach 5–8 Jahren ist sie weitgehend entschuldet — der freigewordene Beleihungsspielraum finanziert die zweite Immobilie ohne neue Anzahlung.
Beispiel — Aufbau in 12 Jahren
Jahr 0: Immobilie 1 — 100.000 € EK + 280.000 € FK
Jahr 7: Immobilie 1 entschuldet auf 200.000 € → 150.000 € freier Beleihungsspielraum
Jahr 7: Immobilie 2 — 0 € EK + 350.000 € FK (gesichert über Immobilie 1)
Jahr 12: Beide Immobilien zusammen ~870.000 € wert, Restschuld ~480.000 €, Eigenkapital netto ~390.000 €
Diese Strategie funktioniert nur bei stabilen Cashflows und ausreichendem Einkommen für die Bonität. Bei schwankenden Mieten oder Wertkorrekturen kippt die Pyramide schnell.
Eigenkapital — FAQ
- Wie viel Eigenkapital brauche ich für eine Anlageimmobilie?
- Faustregel 2026: Mindestens die Kaufnebenkosten (8–13 % vom Kaufpreis) sollten aus Eigenkapital kommen. Wer zusätzlich 10–20 % auf den Kaufpreis als Eigenkapital einbringt, erhält die besten Zinskonditionen. Bei einem 350.000-€-Objekt heißt das: ~30.000 € für Kaufnebenkosten + 35.000–70.000 € als Anzahlung = 65.000–100.000 € Gesamt-Eigenkapital für eine solide Bank-Finanzierung.
- Was ist eine 110-%-Finanzierung?
- Bei einer Vollfinanzierung übernimmt die Bank 100 % des Kaufpreises plus Kaufnebenkosten — daher 110 %. Voraussetzung: sehr gutes Einkommen, hoher Cashflow-Überschuss, oft auch Zusatzsicherheiten. Konditionen sind 0,5–1,5 Prozentpunkte teurer als bei 80 % Beleihung. Für vermietete Immobilien grundsätzlich möglich, sinnvoll vor allem bei jungen Käufern mit hohem Einkommen und ohne anderes Anlagekapital.
- Welcher Eigenkapitalanteil ist optimal aus Renditesicht?
- Aus reiner Eigenkapitalrendite-Sicht: so wenig wie möglich. Der Hebel-Effekt funktioniert: Bei 4 % Bruttomietrendite und 3,5 % Sollzins steigt die EK-Rendite, je weniger eigenes Geld eingesetzt wird. Aus Risikosicht: mindestens 20 % EK plus Kaufnebenkosten — das schützt vor Wertverlusten und gibt der Bank Sicherheit. In der Praxis ist 20–30 % EK der goldene Mittelweg zwischen Hebel und Sicherheit.
- Was sehen Banken bei der Eigenkapital-Prüfung?
- Eigenkapital muss echtes Geld sein: Sparguthaben, Bausparverträge, Wertpapiere, Lebensversicherungen mit Rückkaufswert. Geschenktes Eigenkapital von Eltern wird akzeptiert (mit Schenkungsvereinbarung). KEIN Eigenkapital sind: Kredite von Verwandten, Crypto-Werte ohne Tauschnachweis, Anteile an illiquiden Beteiligungen. Banken verlangen meist 3-Monats-Auszüge zur Herkunftsprüfung.
- Kann ich Eigenkapital durch Beleihung anderer Immobilien ersetzen?
- Ja — über die Zusatzsicherheit nachrangige Grundschuld auf einer bereits bezahlten oder weitgehend entschuldeten Immobilie. Banken behandeln freigewordenen Beleihungsspielraum (typisch bis 60 % des Marktwerts) wie Eigenkapital. Häufige Strategie bei Immobilien-Aufbau: zweite Immobilie wird komplett über die erste finanziert.
- Lohnt es sich, mit weniger Eigenkapital zu starten?
- Ja — wenn die laufenden Cashflows positiv sind, das Einkommen sicher und die Anschlussfinanzierung absehbar. Niedriger EK-Einsatz erhöht die Eigenkapitalrendite massiv (Hebel-Effekt). Risiko: Bei Werteinbrüchen, Mietausfall oder Anschlussfinanzierung mit gestiegenen Zinsen kann die Konstellation schnell kippen. Aggressive Hebel sind etwas für erfahrene Investoren oder Hochverdiener mit Puffer.
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