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Wie viel Eigenkapital für eine Immobilie?

Kurz: Bei vermieteten Immobilien gilt 2026 die Faustregel: Kaufneben­kosten aus Eigenkapital (8–13 %) plus mindestens 10–20 % auf den Kaufpreis. Auf 350.000 € sind das 65.000–100.000 € Gesamt-Eigenkapital für solide Bank- Konditionen. 110-%-Finanzierungen sind möglich, aber teurer und nur mit überdurch­schnittlichem Einkommen sinnvoll. Aus Renditesicht gilt: weniger EK = höherer Hebel = höhere Eigenkapital­rendite, dafür höheres Risiko.
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Faustregel

Die 20-%-Regel — und ihre Grenzen

Die klassische Faustregel sagt: 20 % Eigenkapital auf den Kaufpreis plus die Kaufneben­kosten aus Eigenkapital. Das entspricht 80 % Beleihungs­auslauf (LTV) — Banken belohnen das mit den besten Zinskonditionen.

Beispiel — Anlageimmobilie 350.000 €

Kaufneben­kosten (NRW, ohne Makler):
Grunderwerbsteuer 6,5 % · Notar 1,5 % · Grundbuch 0,5 % = 8,5 % = 29.750 €

20 % Anzahlung: 70.000 €
Gesamt-Eigenkapital: 99.750 €
Darlehen: 280.000 €
Beleihungs­auslauf (LTV): 80 %

Die 20-%-Regel funktioniert in stabilen Märkten. In Boom-Phasen (München 2015–2022) war sie zu konservativ — Käufer mit weniger EK haben durch Wertentwicklung mehr verdient. In Korrektur-Phasen (2022–2024) hat sie geschützt: Wer mit 5 % EK gekauft hat und einen 10-%-Werteinbruch erlebte, stand mit negativem Eigenkapital da.

Variante

Vollfinanzierung — wann sinnvoll?

Bei einer 110-%-Finanzierung übernimmt die Bank Kaufpreis und Kaufneben­kosten. Konditionen sind typisch 0,5–1,5 Prozent­punkte teurer als bei 80 % LTV — auf 30 Jahre sind das fünf- bis sechsstellige Summen.

Sinnvoll wenn:

  • Hohes laufendes Einkommen (≥ 5.000 € netto), aber wenig angespartes Kapital — das EK soll im Aktien-Sparplan bleiben.
  • Die Immobilie cashflowt positiv aus eigener Kraft — auch bei höherem Zinssatz.
  • Es gibt eine Anschluss­finanzierungs-Strategie (lange Zinsbindung, Forward-Darlehen, parallele Tilgung).

Nicht sinnvoll wenn:

  • Cashflow negativ ist — der Hebel wirkt dann gegen den Investor.
  • Berufliche Unsicherheit besteht (Selbstständigkeit, Probezeit).
  • Persönlicher Steuersatz unter 30 % liegt — der AfA-Vorteil ist klein, das Hebel-Risiko überwiegt.

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Bank-Sicht

Was Banken als Eigenkapital akzeptieren

QuelleAkzeptanzVoraussetzung
Spar- und Tagesgeld­konten100 %3-Monats-Auszüge
Bausparverträge100 %Auszahlungs­bestätigung
Wertpapierdepot (ETF, Aktien)60–80 %Beleihungs­wert, nicht Marktwert
Lebens­versicherungRückkaufs­wertVersicherungs­bestätigung
Schenkung Eltern100 %Schenkungs­vertrag, Herkunfts­nachweis
Crypto-Werte0–50 %Verkaufs­nachweis (auf Konto sein)
Privatkredit Verwandte0 %Zählt als Fremdkapital
Beleihungs­spielraum andere Immobilie60 % vom MarktwertWertgutachten, freie Grundbuch­eintragung
Strategie

Eigenkapital-Pyramide für Aufbau

Ein häufiges Muster bei Immobilien-Investoren: Die erste Immobilie wird mit 20–30 % EK klassisch finanziert. Nach 5–8 Jahren ist sie weitgehend entschuldet — der freigewordene Beleihungs­spielraum finanziert die zweite Immobilie ohne neue Anzahlung.

Beispiel — Aufbau in 12 Jahren

Jahr 0: Immobilie 1 — 100.000 € EK + 280.000 € FK
Jahr 7: Immobilie 1 entschuldet auf 200.000 € → 150.000 € freier Beleihungs­spielraum
Jahr 7: Immobilie 2 — 0 € EK + 350.000 € FK (gesichert über Immobilie 1)
Jahr 12: Beide Immobilien zusammen ~870.000 € wert, Restschuld ~480.000 €, Eigenkapital netto ~390.000 €

Diese Strategie funktioniert nur bei stabilen Cashflows und ausreichendem Einkommen für die Bonität. Bei schwankenden Mieten oder Wertkorrekturen kippt die Pyramide schnell.

Häufige Fragen

Eigenkapital — FAQ

Wie viel Eigenkapital brauche ich für eine Anlageimmobilie?
Faustregel 2026: Mindestens die Kaufnebenkosten (8–13 % vom Kaufpreis) sollten aus Eigenkapital kommen. Wer zusätzlich 10–20 % auf den Kaufpreis als Eigenkapital einbringt, erhält die besten Zinskonditionen. Bei einem 350.000-€-Objekt heißt das: ~30.000 € für Kaufnebenkosten + 35.000–70.000 € als Anzahlung = 65.000–100.000 € Gesamt-Eigenkapital für eine solide Bank-Finanzierung.
Was ist eine 110-%-Finanzierung?
Bei einer Vollfinanzierung übernimmt die Bank 100 % des Kaufpreises plus Kaufnebenkosten — daher 110 %. Voraussetzung: sehr gutes Einkommen, hoher Cashflow-Überschuss, oft auch Zusatzsicherheiten. Konditionen sind 0,5–1,5 Prozentpunkte teurer als bei 80 % Beleihung. Für vermietete Immobilien grundsätzlich möglich, sinnvoll vor allem bei jungen Käufern mit hohem Einkommen und ohne anderes Anlagekapital.
Welcher Eigenkapitalanteil ist optimal aus Renditesicht?
Aus reiner Eigenkapitalrendite-Sicht: so wenig wie möglich. Der Hebel-Effekt funktioniert: Bei 4 % Brutto­mietrendite und 3,5 % Sollzins steigt die EK-Rendite, je weniger eigenes Geld eingesetzt wird. Aus Risikosicht: mindestens 20 % EK plus Kaufnebenkosten — das schützt vor Wertverlusten und gibt der Bank Sicherheit. In der Praxis ist 20–30 % EK der goldene Mittelweg zwischen Hebel und Sicherheit.
Was sehen Banken bei der Eigenkapital-Prüfung?
Eigenkapital muss echtes Geld sein: Sparguthaben, Bausparverträge, Wertpapiere, Lebensversicherungen mit Rückkaufswert. Geschenktes Eigenkapital von Eltern wird akzeptiert (mit Schenkungsvereinbarung). KEIN Eigenkapital sind: Kredite von Verwandten, Crypto-Werte ohne Tauschnachweis, Anteile an illiquiden Beteiligungen. Banken verlangen meist 3-Monats-Auszüge zur Herkunftsprüfung.
Kann ich Eigenkapital durch Beleihung anderer Immobilien ersetzen?
Ja — über die Zusatzsicherheit nachrangige Grundschuld auf einer bereits bezahlten oder weitgehend entschuldeten Immobilie. Banken behandeln freigewordenen Beleihungsspielraum (typisch bis 60 % des Marktwerts) wie Eigenkapital. Häufige Strategie bei Immobilien-Aufbau: zweite Immobilie wird komplett über die erste finanziert.
Lohnt es sich, mit weniger Eigenkapital zu starten?
Ja — wenn die laufenden Cashflows positiv sind, das Einkommen sicher und die Anschluss­finanzierung absehbar. Niedriger EK-Einsatz erhöht die Eigenkapital­rendite massiv (Hebel-Effekt). Risiko: Bei Wert­einbrüchen, Mietausfall oder Anschluss­finanzierung mit gestiegenen Zinsen kann die Konstellation schnell kippen. Aggressive Hebel sind etwas für erfahrene Investoren oder Hochverdiener mit Puffer.
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